Psychosomatische Medizin, was ist das?
Nicht hinter allen körperlichen Beschwerden steckt eine eindeutig nachweisbare körperliche Ursache. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden „eingebildet“ sind. Sie sind real und können den Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Die psychosomatische Medizin betrachtet den Menschen als Ganzes. Sie berücksichtigt, dass körperliche, seelische und soziale Faktoren eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen können.
Viele Patientinnen suchen verständlicherweise zunächst nach einer körperlichen Ursache ihrer Beschwerden. Häufig folgen zahlreiche Untersuchungen und Arztbesuche. Wenn dabei keine eindeutige Erklärung gefunden wird, entstehen oft Verunsicherung, Frustration und das Gefühl, mit den Beschwerden allein zu sein.
Die psychosomatische Begleitung kann unter anderem hilfreich sein bei:
- chronischen Unterbauchschmerzen
- starken Menstruationsbeschwerden
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- wiederkehrenden Beschwerden ohne eindeutigen organischen Befund
- chronischen Vulva- oder Scheidenschmerzen (z. B. Vulvodynie)
- Blasenbeschwerden oder häufigem Harndrang ohne nachweisbare Ursache
- Reizdarmbeschwerden, die gemeinsam mit gynäkologischen Beschwerden auftreten
- Endometriose – sowohl bei chronischen Schmerzen als auch im Umgang mit den Belastungen der Erkrankung
- Kinderwunsch und unerfülltem Kinderwunsch
- Belastungen während einer Kinderwunschbehandlung
- Beschwerden in den Wechseljahren
- Belastenden Schwangerschaften oder nach schwierigen Geburtserfahrungen
- Fehlgeburten oder Schwangerschaftsverlust
- der Verarbeitung einer Krebsdiagnose oder während einer gynäkologischen Krebstherapie
- chronischen Erkrankungen der Frauengesundheit, die den Alltag und die Lebensqualität beeinträchtigen In all diesen Situationen können körperliche Beschwerden und seelische Belastungen einander beeinflussen. Ziel der psychosomatischen Medizin ist es nicht, Beschwerden als „psychisch“ zu erklären, sondern alle Faktoren zu berücksichtigen, die zu ihrem Entstehen oder Fortbestehen beitragen können.
Deshalb nehme ich mir Zeit für Gespräche – ich nenne sie gerne „Gespräche über das Leben“. Dabei ist es mir wichtig, Ihre Beschwerden ernst zu nehmen und zu verstehen, wie Sie diese selbst erleben. Gemeinsam betrachten wir Ihre Lebenssituation, mögliche Belastungen und Ihre bisherigen Erfahrungen. Oft entstehen daraus neue Sichtweisen und individuelle Lösungsansätze.
Neben der Frage „Woher kommen meine Beschwerden?“ kann auch die Frage hilfreich sein:
„Was unterstützt meine Gesundheit?“ Dieser Ansatz wird Salutogenese genannt. Er richtet den Blick auf die persönlichen Stärken und Ressourcen, die helfen können, mit Beschwerden besser umzugehen und die Gesundheit zu fördern.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Optimismus und Zuversicht
- Akzeptanz
- Lösungsorientiertes Denken
- Familie, Freunde und andere unterstützende Beziehungen
- Selbstfürsorge
- Wissen über die eigene Erkrankung
- Selbstvertrauen
- Humor und Gelassenheit
- Prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Gemeinsam können wir herausfinden, welche Ressourcen Ihnen helfen können, Ihre Beschwerden besser zu verstehen und Ihren persönlichen Weg zu mehr Lebensqualität zu finden.
Aus gynäkologisch-psychosomatischer Sicht könnten – je nach Ihrem Leistungsspektrum – außerdem noch folgende Themen aufgenommen werden:
- Zyklusbedingte Stimmungsschwankungen
- Sexualstörungen (verminderte Lust, Erregungs- oder Orgasmusstörungen)
- Vaginismus bzw. genito-pelvine Schmerz-Penetrationsstörung
- Beschwerden nach sexuellen Grenzverletzungen oder Gewalterfahrungen
- Tokophobie (ausgeprägte Angst vor Schwangerschaft oder Geburt)
- Schwangerschafts- und Wochenbettdepressionen (in Zusammenarbeit mit Psychotherapeutinnen und Psychiatern)
- Belastungen nach traumatischen Geburtserfahrungen
- Psychische Belastungen nach gynäkologischen Operationen
- Belastungen bei PCOS oder vorzeitiger Menopause
- Körperbild- und Weiblichkeitskonflikte nach Brust- oder Genitaloperationen
Unterschiedlichste körperliche, seelische aber auch funktionelle Beschwerden können auf diese Weise betrachtet werden und die Patientin kann hilfreiche neue Erkenntnisse gewinnen oder Entwicklungen durchlaufen, welche Linderung verschaffen.
